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Was passiert eigentlich in einem BDSM-Studio?

Ja, was passiert da eigentlich?

In wahrscheinlich keinem anderen Bereich der Sexarbeit lässt sich diese Frage so wenig pauschal beantworten wie im BDSM. BDSM (früher auch oft als SM / Sadomaso bezeichnet) setzt sich zusammen als Akronym aus verschiedenen Begriffen, wie z.B. Bondage / Dominance / Submission/Sadism / Masochism. Es geht um (unter anderem) Dominanz und Unterwerfung, um Fesselungen, Schmerzen, Lustschmerz, Lust, Erotik, Erniedrigung, Fetische. Es gibt Menschen, die stehen auf eher softe Praktiken wie Kitzelfolter oder sinnliche Berührungen. Andere sind masochistisch und genießen es beispielsweise ausgepeitscht zu werden. Aber das Wichtigste: Es geschieht alles mit Konsens, also in beiderseitigem Einvernehmen.

Ein Fall, den wir auch hier beschreiben wollen, ist der Besuch des Gastes (während der Session in der devoten/submissiven Rolle) bei einer Sexarbeiter*in, welche die dominante Rolle einnimmt. Eine klassische Domina lässt keinerlei Berührung zu, bei einer Bizarrlady sind Berührungen möglich. Der klassische Sexualverkehr (Penetration) findet in der Regel nicht statt.

Wie läuft ein Besuch ab?

Im BDSM-Bereich wird oft auf Basis von längerfristigen vereinbarten Terminen gearbeitet. Die jeweilige Domina (oder der männliche Dominus) mietet sich zu einem bestimmten Termin in einem Studio ein. Die Termine kann man über die Website der Domina, die Website der Studios, über andere Internetportale oder auch über Socal Media erfahren. Viele Dominas arbeiten tageweise in einer bestimmten Stadt/Studio und reisen in verschiedene Studios oder BDSM-Apartments in ganz Deutschland (oder auch im benachbarten Ausland). Man kontaktiert die Dame seiner Wahl, in der Regel per Mail oder Messenger (WhatsApp), stellt sich kurz vor und fragt unter Angabe von Datum, Ort, gewünschter Dauer und einer kurzen Beschreibung des gewünschten Erlebnisses an. Je nach Dame und Verfügbarkeit können kurzfristige Termine („heute“ oder „morgen“) möglich sein, es kann aber auch zu Wartezeiten von mehreren Wochen kommen. Ist der Termin vereinbart, die Konditionen geklärt, wird in den meisten Fällen eine Anzahlung fällig. Ist diese geleistet wird der Termin bestätigt.

Am Tag der eigentlichen Session ist es dann so weit. Manche Sexworker*innen möchten, dass die Gäste den Termin am Vortag nochmal per WhatsApp/Nachricht bestätigen.

nktlich zur vereinbarten Zeit ist der Gast vor Ort, klingelt und wird hereingebeten. In einem kurzen Vorgespräch kann man sich kennenlernen, eventuelle Fragen klären (Wünsche, Tabus, speziell zu beachtende Themen wie gesundheitliche Einschränkungen) und erst mal ankommen. Hier übergibt der Gast das vereinbarte Honorar und wird anschließend ins Bad geführt, um sich unter der Dusche frisch zu machen. Die Zeit des Vorgesprächs und der Dusche zählt nicht zur bezahlten Session-Zeit (dies kann bei einem vereinbarten Spiel ab Tür“ anders sein, hier beginnt die Session direkt beim Öffnen der Studiotür).

Und dann geht es los. Basierend auf dem vereinbarten Thema leitet die Domina oder der Dominus durch die Session. So vielfältig wie Menschen sind auch die Möglichkeiten, Motivationen und Praktiken im Bereich BDSM:

Masochisten stehen auf Schmerzen und möchten diese körperlich spüren. Devote Menschen möchten dienen und genießen mehr eine DS-Dynamik (Dominance and Submission = Dominanz und Unterwerfung). Manche Menschen mögen Sinnesentzug, also die Einschränkung von Sehen, Hören, Riechen. Fesseln schränkt die Bewegung ein. Es gibt Fetische für Materialien, wie Lack, Latex, Leder oder aber auch Wolle, Strümpfe, Strumpfhosen. Looner“ möchten mit Ballons spielen, sie spüren und sind möglicherweise beunruhigt wenn sie zum Platzen gebracht werden. Es geht um Lust oder auch die Verweigerung von Lust. Es gibt Rollenspiele, wie Entführungsfantasien, Erziehung durch die sexy Lehrerin, Bestrafung durch eine Gouvernante, Untersuchungen durch eine Krankenschwester oder Ärztin. Menschen möchten vielleicht Dienstmädchen sein oder in die Rolle und Kleidung des anderen Geschlechts schlüpfen. Manche Spiele beinhalten Körperflüssigkeiten/-ausscheidungen wie Urin oder Kot.

Vieles wirkt für manche Menschen ungewöhnlich, abschreckend oder erzeugt vielleicht sogar Abscheu und Ekel. Und doch sind diese Fantasien in den Köpfen vieler Menschen, sind Wunschvorstellungen. In BDSM-Studios können diese Fantasien im gegenseitigen Einvernehmen und in einem sicheren Rahmen Realität werden. Nicht jede Domina oder Dominus bietet alle diese Praktiken an. Bei allen Praktiken wird auf die sichere Durchführung und Wahrung der persönlichen Grenzen und Tabus geachtet.

Spanking“ zum Beispiel bezeichnet Schläge auf den Körper, oft den Hintern, ausgeführt per Hand oder mit Schlagwerkzeugen. Begonnen wird mit leichten Schlägen zum Aufwärmen, hier können die flache Hand oder sanftere Werkzeuge wie weiche Leder-Flogger zum Einsatz kommen. Die Schlage können gesteigert werden in Intensität und/oder mit anderen Werkzeugen wie Holz-Paddels, Peitschen (u.a. die klassische Bullwhip), Ochsenziemer und und undDie schlagende Person achtet darauf, nur bestimmte Körperteile zu treffen und empfindliche Körperteile (z.B. die Nierengegend) zu vermeiden. Hier wurde vorab vereinbart was passieren darf und soll. Manche Gäste und Gästinnen mögen Spuren (z.B. blaue Flecken), manche möchten keine Spuren davontragen. Dementsprechend werden Werkzeuge, Intensität und Schlagtechniken angepasst. Es erfordert Erfahrung und Know How die vielfältigen Praktiken sicher umzusetzen, seien es Schläge, Fesselungen, Atemkontrolle oder das Spiel mit Nadeln. Viele der Dominas bilden sich stetig weiter, einige haben beispielsweise auch medizinische Vorkenntnisse, wie z.B. examinierte Krankenschwestern/Krankenpfleger*innen.

Eine vollständige Aufzählung von Praktiken, Techniken und Vorstellungen gibt es nicht. Zum Thema BDSM gibt es viele Informationsquellen im Netz, unteren anderem Podcasts die eben Praktiken, Motivationen und Menschen, welche BDSM ausleben zum Thema haben. Hunderte von Folgen zeugen von der erwähnten Vielfalt.

Nach der Session folgen abermals eine Dusche und ein abschließendes Nachgespräch zwischen Domina/Dominus und Gast/Gästin. Es bietet Zeit, um nach intensiven Sessions runterzukommen, das Erlebte ein wenig zu verarbeiten und/oder Feedback zu geben.

Der Gast zieht von dannen, die Erinnerungen bleiben. Mögliche Spuren lassen einen das Erlebte nochmals nachfühlen, zaubern ein Lächeln ins Gesicht. Man denkt nach über das, was passiert ist.

Man kann Fantasien ausleben, Fantasien, die man vielleicht mit niemandem sonst teilen konnte aus Angst vor Ablehnung. Die Wünsche, Fantasien und Bedürfnisse werden ernst genommen und sie werden Realität. Ein befreiendes Gefühl, das Menschen schweben lassen kann. Ein Gefühl, das glücklich macht.